ROBOTIK & HUMANOIDE ROBOTER
Roboter verlassen ihre Schutzzäune. Kollaborierende Roboter arbeiten neben Bedienern, mobile Manipulatoren und autonome mobile Roboter fahren durch Lager und Spitäler, Serviceroboter treffen auf die Öffentlichkeit, und humanoide und Laufroboter halten Einzug in Fabriken, Logistik und Pflege. Sie tragen Lasten, nutzen Werkzeuge für die menschliche Hand und lernen ihr Verhalten zunehmend aus Daten. Für Sicherheit und Zertifizierung ist das Neuland: Roboter, die ihr Gleichgewicht nur mit Energieversorgung halten, ohne Schutzzaun neben Menschen arbeiten, mit der Cloud verbunden sind und deren Steuerung trainiert statt programmiert wird.
CertX vereint funktionale Sicherheit, Cybersicherheit und künstliche Intelligenz in einem Team. Als Schweizer Zertifizierungsstelle, Benannte Stelle NB 2948 nach der Maschinenrichtlinie und Teil von SGS unterstützen wir Roboterhersteller, Systemintegratoren und Betreiber sowie Entwickler, Einführer und Händler humanoider Roboter dabei, Roboter sicher auf den europäischen Markt und in reale Arbeitsumgebungen zu bringen.
Für Sicherheitsbauteile und Maschinen im Allgemeinen siehe unsere Seite Industriemaschinen.
Von der ersten Risikobeurteilung bis zur CE-Kennzeichnung: ein Partner für Sicherheit, Cybersicherheit und KI Ihres Roboters.
Was für Roboter in Europa gilt
Ein Roboter, eine Roboterzelle oder ein humanoider Roboter, der in der EU in Verkehr gebracht wird, ist eine Maschine; ein einzeln verkaufter Roboterarm ist in der Regel eine unvollständige Maschine. Mehrere Regelwerke gelten gleichzeitig, zu unterschiedlichen Terminen:
- Maschinenverordnung (EU) 2023/1230, anwendbar ab 20. Januar 2027, ersetzt die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Maschinen, deren Sicherheitsfunktionen auf vollständig oder teilweise selbstentwickelndem Verhalten mit maschinellem Lernen beruhen, stehen in Anhang I Teil A und erfordern eine Benannte Stelle.
- EU-KI-Verordnung (AI Act) (EU) 2024/1689, geändert durch den Digital-Omnibus (EU) 2026/1744: Für Maschinen sollen KI-spezifische Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen bis August 2028 in die Maschinenverordnung aufgenommen werden. Transparenzpflichten und Regeln für KI mit allgemeinem Verwendungszweck gelten bereits.
- Cyber Resilience Act (CRA) (EU) 2024/2847: Meldung von Schwachstellen und Vorfällen ab 11. September 2026, alle Anforderungen ab 11. Dezember 2027.
- Funkanlagenrichtlinie (RED): Delegierte Verordnung (EU) 2022/30 für vernetzte Roboter, mit der Normenreihe EN 18031, anwendbar seit 1. August 2025.
Die Normen entwickeln sich ebenso schnell. ISO 10218-1 (Industrieroboter) und ISO 10218-2 (Roboteranwendungen und -zellen) wurden 2025 überarbeitet und enthalten nun die Anforderungen der ISO/TS 15066 für kollaborierende Roboter. ISO 3691-4 gilt für fahrerlose Flurförderzeuge und mobile Roboter, ISO 13482 für Assistenz- und Serviceroboter, und ISO 25785-1, in Entwicklung, ist die erste Sicherheitsnorm für industrielle mobile Roboter mit aktiv geregelter Stabilität wie Lauf- und humanoide Roboter.
CertX ermittelt mit Ihnen, welche davon für Ihren Roboter und seine Anwendungsfälle gelten, und erstellt einen gemeinsamen Compliance-Plan statt eines Projekts pro Verordnung.
Wann werden Sie zum Hersteller?
Wer einen Roboter einführt oder weiterverkauft, insbesondere einen außerhalb Europas hergestellten humanoiden Roboter, kann rechtlich so verantwortlich werden, als hätte er ihn selbst gebaut. Nach der Maschinenverordnung (MVO) und dem Cyber Resilience Act (CRA) gelten die Herstellerpflichten für alle, auf die einer dieser Fälle zutrifft:
Sie entwickeln den Roboter oder lassen ihn herstellen und verkaufen ihn unter Ihrem Namen, oder Sie bauen ihn für den Eigengebrauch.
Sie bringen einen Roboter eines anderen Herstellers unter Ihrem Namen oder Ihrer Marke in Verkehr (White Label, OEM).
Eine vom Hersteller nicht vorgesehene Hardware- oder Software-Änderung, die eine neue Gefährdung schafft oder ein Risiko erhöht: neue Werkzeuge oder Lasten, höhere Geschwindigkeiten, neue KI-Fähigkeiten oder Modelle in Sicherheitsfunktionen.
Sie passen den Roboter an einen Zweck an, den der Hersteller nicht vorgesehen hat, zum Beispiel einen Forschungs- oder Demo-Roboter im Lager oder im öffentlichen Raum. Die neue Risikobeurteilung führt in der Regel zu einer wesentlichen Veränderung.
Sie kombinieren Roboter, Greifer, Förderer und Schutzeinrichtungen zu einer Roboterzelle oder Linie: Sie sind Hersteller der Gesamtheit.
- Risikobeurteilung (EN ISO 12100)
- Technische Dokumentation
- Konformitätsbewertung, falls erforderlich mit einer Benannten Stelle
- EU-Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung
- Betriebsanleitung in der Sprache der Nutzer
- Sicherheitsupdates und Schwachstellenmanagement
- Überwachung nach dem Inverkehrbringen
Typische Fälle: ein Händler, der einen importierten humanoiden Roboter unter eigener Marke verkauft, ein Entwickler, der eigene KI-Fähigkeiten auf eine gekaufte Roboterplattform aufspielt, oder ein Integrator, der eine Roboterzelle baut. CertX prüft Ihre Situation, die Dokumentation des Herstellers und Ihre geplanten Änderungen und zeigt Ihnen, welche Pflichten gelten, bevor Sie den Roboter in Verkehr bringen.
Benannte Stelle NB 2948: EG-Baumusterprüfung
CertX ist Benannte Stelle NB 2948, eingetragen im NANDO-Register der EU, für die EG-Baumusterprüfung (Anhang IX) von zwei Kategorien aus Anhang IV der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG:
- 19. Schutzeinrichtungen zur Personendetektion
- 21. Logikeinheiten für Sicherheitsfunktionen
Typische Produkte sind Sicherheitslaserscanner, Lichtgitter und andere Personenerkennungssysteme, Sicherheitsrelais, Sicherheitssteuerungen (SPS) sowie die Sicherheitssteuerungen von Maschinen, Roboterzellen und Robotern. In der Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 stehen beide Kategorien in Anhang I, Teil B: Wendet Ihr Produkt die harmonisierten Normen nicht vollständig an, muss eine benannte Stelle beteiligt werden.
Wir prüfen Ihre Risikobeurteilung nach EN ISO 12100, ermitteln die anwendbaren harmonisierten Normen und verifizieren, dass die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen erfüllt sind, einschließlich der Anforderungen der Maschinenverordnung an autonome mobile Maschinen, Mensch-Roboter-Interaktion, psychische Belastung und Schutz gegen Korrumpierung.
Beginnen Sie früh: Eine Gap-Analyse während der Entwicklung vermeidet teure Änderungen an Hardware, Steuerungsarchitektur und Sicherheitskonzept kurz vor der Markteinführung. Sie erhalten eine klare Liste der Feststellungen, ohne Ihr geistiges Eigentum Dritten offenzulegen.
Funktionale Sicherheit für Roboter und Humanoide
Jede Roboteranwendung braucht zuverlässige Sicherheitsfunktionen: Absicherung von Roboterzellen, Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung sowie Leistungs- und Kraftbegrenzung bei kollaborierenden Robotern, sichere Navigation bei mobilen Robotern. Humanoide Roboter bringen zusätzliche Gefährdungen mit sich, die stationäre Industrieroboter nicht haben: Sturz oder Gleichgewichtsverlust, ein sicherer Halt, bei dem der Roboter nicht zusammenbrechen darf, Kontakt mit Personen in jeder Höhe und getragene Lasten. CertX bewertet und zertifiziert diese Sicherheitsfunktionen nach IEC 61508, EN ISO 13849-1, IEC 62061, ISO 10218, ISO 3691-4 und der künftigen ISO 25785-1 – mit einer unabhängigen Bewertung der Teile, die Ihr Projekt benötigt.
System und Sicherheitskonzept:
- Gefährdungsanalyse und Risikobeurteilung für jeden Anwendungsfall und jede Umgebung
- Szenarien zu Stabilität, Sturz und kontrolliertem Stillsetzen
- Sicherheitsanforderungen und Performance Level (PL) oder SIL
- Mensch-Roboter-Interaktion: Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung, Leistungs- und Kraftbegrenzung
- Risiken durch Lasten, Werkzeuge und Greifer
Hardware:
- Sicherheitsarchitektur von Aktoren, Gelenken, Antrieben und Bremsen
- Ausfallraten, Diagnose und Fehlertoleranz
- Sicher abgeschaltetes Moment (STO) und sichere Stopp-Funktionen
- Batterie und Energiemanagement
- Sicherheitssensoren und sicherheitsgerichtete Kommunikation
Software:
- Sicherheitssteuerung und Sicherheitsfunktionen
- Trennung zwischen KI-basierter Bewegungssteuerung und Sicherheitsebene
- Rückverfolgbarkeit der Anforderungen, Verifikation und Tests
- Simulation, Prüfstand und Feldvalidierung
- Software-Updates und Auswirkungsanalyse von Änderungen
Management der funktionalen Sicherheit:
Sicherheitslebenszyklus, Organisation und Kompetenzen, Lieferantenmanagement und Safety Case werden wie bei jeder Maschine bewertet: den vollständigen Umfang finden Sie auf unserer Seite Industriemaschinen und bei unseren Dienstleistungen Funktionale Sicherheit & RAMS.
Cybersicherheit für vernetzte Roboter
Ein moderner Roboter ist ein vernetztes Produkt: Fernüberwachung, Flottenmanagement, Teleoperation, Over-the-Air-Updates und Cloud-basierte KI-Dienste. Ein Angriff auf diese Schnittstellen kann zu einem Sicherheitsproblem werden. Die Maschinenverordnung verlangt nun Schutz gegen Korrumpierung, und der CRA sowie die Funkanlagenrichtlinie bringen zusätzliche Cybersicherheitspflichten für Produkte.
Das Cybersecurity-Team von CertX unterstützt Roboterhersteller mit:
- Bedrohungsanalyse und Risikobeurteilung für den Roboter, seine Apps, das Flotten-Backend und die Update-Kette
- Konformitätsprüfung und Zertifizierung nach IEC 62443-4-1 (sichere Entwicklung), IEC 62443-4-2 (Komponentenanforderungen), EN 18031 und CRA
- Technische Bewertung und Tests Ihres Roboters und seiner Schnittstellen
- Begleitende Dienstleistungen für Schwachstellenmanagement, SBOM und sichere Update-Prozesse
Künstliche Intelligenz in der Robotik
Wahrnehmung, Navigation, Greifen und Aufgabenplanung von Robotern sowie die Fortbewegung von Humanoiden beruhen zunehmend auf neuronalen Netzen und Foundation Models. CertX bewertet, ob diese KI-Komponenten robust und zuverlässig sind und von der Sicherheitsarchitektur beherrscht werden – mit dem KI-Bewertungs- und Zertifizierungsschema von CertX.
- KI-Bewertung von Wahrnehmungs- und Steuerungsmodellen: Datenqualität (ISO/IEC 5259), Robustheit (ISO/IEC 24029), funktionale Sicherheit und KI (ISO/IEC TR 5469), Kontrollierbarkeit (ISO/IEC TS 8200)
- Maschinelles Lernen in Sicherheitsfunktionen: Bewertung und Nachweise für die von der Maschinenverordnung geforderte Konformitätsbewertung
- Zertifizierung des KI-Managementsystems nach ISO/IEC 42001
- Begleitende Dienstleistungen zur Vorbereitung auf die EU-KI-Verordnung und die kommenden KI-Anforderungen für Maschinen
Ausbildung & Personenzertifizierung
Qualifizieren Sie die Ingenieure und Manager, die Roboter und humanoide Roboter entwickeln, integrieren, einführen und betreiben. CertX bietet Red-Belt-Kurse mit Prüfung und persönlichem Zertifikat:
- ISO 13849 Functional Safety – Red Belt
- IEC 61508 Functional Safety – Red Belt
- ISA/IEC 62443 Cybersecurity – Red Belt
- EU AI Act – Red Belt
Die Experten von CertX bieten auch firmeninterne Schulungen für Ihren Roboter an, zum Beispiel zur Maschinenverordnung und zur CE-Kennzeichnung. Termine und Orte finden Sie auf der Schulungsseite, Details in unserem Personenzertifizierungsprozess.
Mehr über unser Bewertungsverfahren oder unser Zertifizierungsverfahren.
Häufige Fragen
Ist ein Roboterarm eine Maschine oder eine unvollständige Maschine?
Ein Roboterarm ohne Endeffektor und Anwendung kann für sich allein keine bestimmte Anwendung ausführen und ist daher meist eine unvollständige Maschine: Er wird mit einer Einbauerklärung und einer Montageanleitung geliefert. Der Integrator, der die Roboterzelle baut, ist Hersteller der vollständigen Maschine und bringt die CE-Kennzeichnung an.
Bin ich Hersteller, wenn ich einen humanoiden Roboter importiere?
Nicht allein durch den Import. Sie übernehmen die Herstellerpflichten, wenn Sie den Roboter unter Ihrem eigenen Namen oder Ihrer Marke in Verkehr bringen oder ihn wesentlich verändern (Maschinenverordnung Art. 17 und 18, CRA Art. 21 und 22). Andernfalls prüfen Sie als Einführer die Konformitätsbewertung, die CE-Kennzeichnung, die Konformitätserklärung und die Betriebsanleitung und geben Ihren Namen und Ihre Anschrift an.
Gilt der EU AI Act für meinen Roboter?
Für Maschinen sollen die KI-spezifischen Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen bis August 2028 in die Maschinenverordnung aufgenommen werden, wie im digitalen Omnibus (EU) 2026/1744 vorgesehen. Transparenzpflichten und die Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck gelten bereits. Ab dem 20. Januar 2027 verlangt maschinelles Lernen mit selbstentwickelndem Verhalten in Sicherheitsfunktionen eine benannte Stelle nach der Maschinenverordnung.
Welche Normen gelten für humanoide Roboter?
Eine harmonisierte Norm für humanoide Roboter gibt es noch nicht. Je nach Anwendungsfall gelten ISO 10218-1 und -2 (industrielles Umfeld), ISO 3691-4 (mobiler Betrieb) und ISO 13482 (Roboter für die persönliche Assistenz), dazu EN ISO 13849-1 oder IEC 62061 für Sicherheitsfunktionen und IEC 62443 oder EN 18031 für die Cybersicherheit. Die in Entwicklung befindliche ISO 25785-1 wird Roboter mit aktiv geregelter Stabilität abdecken.
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